Hannoveraner App motiviert durch Gamification zum nachhaltigen Handeln
Spielerisch und durch kleine Belohnungen im Alltag zu nachhaltigem Handeln motiviert werden: z. B. vegetarisch essen, Second Hand einkaufen und mit dem Rad zum Campus fahren. All diese täglichen Handlungen werden mithilfe der App „WasteSide“ nun mit Punkten und Prämien belohnt. Wir haben mit den Geschäftsführenden, Pia Oetjen und Julian Meckfessel, gesprochen: Über die Idee der App, die Fortschritte und zukünftige Wünsche/Ziele.
Zu nachhaltigem Alltagshandeln motivieren, durch Gamification. Das hört sich spannend an. Wie funktioniert die WasteSide-App genau?
Zurzeit können Studierende die App nutzen. Nach dem Download wählen die sie ihre Stadt aus und sehen sofort aktuelle Challenges, die auf ihren Alltag zugeschnitten sind. Diese umfassen nachhaltiges Verhalten rund um Mobilität, Ernährung und Konsum. Ein Beispiel ist die Klimateller-Challenge: Die Nutzer*innen bestellen das klimafreundliche Gericht in der Mensa, machen ein Foto und laden es in der App hoch. Anschließend erhalten sie dafür Punkte. Sobald genügend Punkte gesammelt wurden, können diese gegen Belohnungen eingelöst werden, zum Beispiel für einen kostenlosen Kaffee in der Mensa oder beim Café um die Ecke. Ein zentraler Bestandteil von WasteSide ist auch der soziale Aspekt. Durch Rankings und kleine Erinnerungen („Anstupsen“) bleiben die Nutzer*innen mit ihren Freund*innen in Kontakt und motivieren sich gegenseitig zu nachhaltigem Verhalten.
Wie sind Sie auf diese Idee gekommen? Wie hat sich die App entwickelt?
Die Idee entstand im Rahmen eines Studierendenprojekts an der Leibniz Universität Hannover. Wir beschäftigten uns mit dem Thema Lebensmittelverschwendung und suchten nach Wegen, Studierende zu motivieren, im Alltag nachhaltiger zu handeln. Aus dieser Arbeit wurde schnell mehr: Aus unserem Uni-Projekt wuchs eine funktionierende Challenge-Plattform, die bereits 2023 in der Mensa getestet wurde und bei Studierenden sehr gut ankam. Mit dieser positiven Resonanz und einer Auszeichnung im Jugend-Klima-Wettbewerb des Niedersächsischen Umweltministeriums starteten wir die professionelle Weiterentwicklung der Plattform. Mit der offiziellen Gründung Ende 2024 begannen wir neue Campi und Städte zu ergründen. Heute sind wir bereits in 6 Städten unterwegs und unser Team besteht aus 4 Gründer*innen und 3 Mitarbeiter*innen.
Wer kann die App nutzen – und wird sie genutzt?
Unsere Zielgruppe sind Studierende, die gerne nachhaltiger leben möchten. Es kann sich also jede*r registrieren, die/der in einer Hochschule eingeschrieben ist. Inzwischen haben wir über 15.000 registrierte Nutzer*innen. In Osnabrück haben wir nach dem Launch im Mai 2025 innerhalb von 30 Tagen 1.000 Nutzer*innen gewonnen, in Münster sogar in nur 14 Tagen.
Was melden Ihnen Nutzer*innen der App zurück?
Das Feedback ist sehr positiv. Viele Nutzer*innen berichten, dass sie nachhaltige Handlungen bewusster wahrnehmen und häufiger umsetzen. Besonders wichtig ist die wiederkehrende Nutzung: diese liegt bei rund 85 %. Uns ist der direkte Kontakt mit den Studierenden sehr wichtig. Daher sind wir viel an den Campi vor Ort tätig und stehen in ständigem Austausch mit unseren Nutzer*innen. Durch die Gespräche mit den Studierenden erhalten wir regelmäßig neue Ideen, sei es für Kooperationen oder neue mögliche Challenges, die sie sich wünschen.
Was für verschiedene Challenges werden angeboten? Was ist die Beliebteste?
Wir bieten sehr unterschiedliche Challenges an – von nachhaltiger Ernährung über Mobilität bis hin zu bewusstem Konsum. Im Jahr 2025 wurden über WasteSide insgesamt über 80.000 Challenges abgeschlossen. Besonders beliebt waren dabei die Challenges rund um Ernährung. In Münster lag der Klimateller vorne, in Hannover und Osnabrück wurde am häufigsten die No-Food-Waste-Challenge absolviert, bei der Studierende ein Bild ihres leeren Mensa-Tellers in der App hochladen. Ebenfalls sehr beliebt sind die vegane Challenge sowie die Fahrradfahr-Challenge.
Welche Studierendenwerke sind bereits dabei? Sind die Angebote in den Städten alle gleich?
Wir arbeiten bereits mit 6 Studierendenwerken zusammen, darunter mit den Studierendenwerken Osnabrück, Dortmund, Regensburg, Münster und Hannover. Jede Stadt hat unterschiedliche Kernprobleme, daher variieren ebenfalls die Angebote und Challenges in den Städten. Manche fokussieren sich stärker auf Mensa und Ernährung, andere wünschen sich zusätzlich Themen wie Wohnen oder Entsorgung, wie es in Dortmund der Fall ist. Alle vereint ein Thema: Nachhaltigkeit verstärkt im Alltag der Studierenden umsetzen.
Die App ist kostenlos, die Partnerbetriebe sponsern kleine Prämien wie Heißgetränke oder Rabatte beim Eintritt. Wodurch finanziert sich WasteSide und welchen Mehrwert haben die Anbieter von den gratis Angeboten?
Die Nutzung der App ist kostenlos für die Studierenden. Finanziert wird WasteSide über Partnerunternehmen, die Challenges sponsern oder Stellenanzeigen auf der Plattform platzieren. Unternehmen können ihre Angebote authentisch in nachhaltige Alltagshandlungen integrieren und ihr Engagement für Nachhaltigkeit zeigen. So erreichen sie die Studierenden, d. h. junge Nachwuchskräfte. Gleichzeitig betreiben wir Produktmarketing für nachhaltige Produkte, wie z. B. für eine niedersächsische Limo oder nachhaltige Kosmetikartikel.
Welche Herausforderungen gab und gibt es?
Eine der größten Herausforderungen war es, trotz anfänglicher Zweifel von außen das Vertrauen in unsere eigene Idee aufrechtzuerhalten. Wir hatten kaum Erfahrung mit Förderprogrammen oder Wettbewerben. Als wir uns trotzdem für den Jugend-Klima-Wettbewerb beworben haben, wurde uns oft gesagt, dass wir damit wenig Chancen hätten. Umso schwieriger war es, uns in kurzer Zeit tief einzuarbeiten, ein überzeugendes Konzept zu entwickeln und schließlich eine Förderung von 180.000 Euro zu gewinnen. Diese Phase hat uns gezeigt, wie wichtig Durchhaltevermögen und Teamarbeit sind. Heute liegen die Herausforderungen vor allem in der Skalierung: neue Städte effizient zu launchen, Partnerschaften aufzubauen und gleichzeitig die Qualität der App und der Nutzererfahrung zu verbessern.
Was sind Ihre Pläne und Wünsche für die Zukunft?
Kurzfristig möchten wir WasteSide in allen großen deutschen Hochschulstädten etablieren und konstant neue Nutzer*innen gewinnen. Außerdem planen wir, unsere Plattform auch außerhalb des Campus-Kontexts in „normalen“ Betrieben einzuführen, deshalb sind wir aktuell in Gesprächen mit verschiedenen Wirtschaftsförderungen und Partnern des Städtemarketings. Unser langfristiges Ziel ist es, nachhaltiges Verhalten dauerhaft im Alltag der Gesellschaft zu verankern und WasteSide als führende Plattform für nachhaltige Alltagsentscheidungen und authentisches Engagement zu etablieren.
Vielen Dank für dieses Interview. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.