ZEHN - Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen

Cool gestylt? Kleidung aus Plastik

Ob in Strohhalmen, Plastiktüten, Trinkflaschen, Kosmetik – Mikroplastik ist ein Thema. Doch auch unserer Kleidung ist eine Quelle von Mikroplastik: Plastikfasern sind in vielen Lieblingsstücken verarbeitet. Worauf kann jede*r beim Kaufen und Waschen achten?

Mikroplastik in Kleidung - © Charlotte Schneider

Synthetische Chemiefasern wie Polyester werden aus den fossilen Rohstoffen Kohle, Erdöl oder Erdgas hergestellt. Sie werden chemisch umgewandelt, sodass die synthetischen Fasern entstehen. Wer einen Blick auf den Materialhinweis im Waschetikett in Shirts, Hosen und Co. wirft, entdeckt sie schnell: unterschiedliche Poly-Mikrofasern wie Polyester, Polyamide (z.B. Nylon), Polyacryl, Polyurethan, Polyacrylnitril, Modacryl, Elastan (Spandex, Lycra) oder auch Neopren – und damit Mikroplastik.
 

Warum steckt Mikroplastik in Kleidung?

Die „Poly“-Mikrofasern sind aus der heutigen Modewelt kaum wegzudenken. Die Fasern aus synthetischen Polymeren haben nämlich nützliche Eigenschaften: die Socken oder Leggins sind dehnbar, der Badeanzug trocknet schnell, die Bluse ist leicht bügelbar und die Polyesterfüllung in der Winterjacke hält warm – und ist vegan.  
Doch leider bringen diese Vorteile auch Nachteile mit sich. Denn während Kleidung aus natürlichen Rohstoffen auch nur natürliche, schnell biologisch abbaubare Fasern verliert, ist das bei Plastikfasern anders. 

 

Kleidung wird zu Mikroplastik

Während des Tragens, aber vor allem während des Waschens verlieren die Lieblingsstücke durch Abrieb kleinste Mikrofasern und zwar so viele, dass Textilien bei den Mikroplastikquellen in Deutschland an zehnter Stelle stehen (Fraunhofer-Institut). Das mit Mikroplastik angereicherte Abwasser gelangt in die Klärwerke. Zwar können diese rund 95 % dieser Mikrofasern herausfiltern (ebd.), das ist in Anbetracht der Menge an Kleidung, die täglich gewaschen wird, jedoch wenig. So gelangt das Mikroplastik in die Ozeane. Einer Studie der IUCN zufolge stammen weltweit sogar 35 % des Mikroplastiks in den Weltmeeren aus synthetischer Kleidung. Und damit sorgt unsere Kleidung für die bekannten negativen Folgen für Meerestiere und Meerespflanzen.

Doch nicht nur in die weit entfernten Weltmeere gelangen die kleinen Plastikpartikel: Im Klärwerk sammelt sich das Mikroplastik im Klärschlamm an. Da der Klärschlamm auch als Dünger in der Landwirtschaft und im Landschaftsbau aufgetragen wird, gelangen rund 35 % des Mikroplastiks des Abwassers auf unsere Böden und somit in unsere Nahrungskette und die der Tiere (Fraunhofer-Institut).

Daher ist es wichtig, sich nicht nur bei Verpackungen und Getränkeflaschen klar zu machen, welche Auswirkungen unsere Entscheidung für ein Material haben kann, sondern auch bei unserer Kleidung.

 

Kauf- und Waschtipps

In den meisten Kleiderschränken finden sich Stücke aus Mikroplastik. Doch was tun? Die Stücke entsorgen? Besser nicht! Die Herstellung der Fasern aus Mikroplastik ist enorm energie- und ressourcenaufwändig. Daher ist es besser, während des Waschens auf Tipps zu setzen, um die bereits eingesetzten Ressourcen möglichst lange zu nutzen.

  • Wasche vor allem synthetische Textilien so wenig wie möglich. Niedrige Temperaturen und die Schleuderzahl sollten möglichst gering sein, so lösen sich weniger Fasern
  • Durch Weichspüler lösen sich noch mehr Fasern (Napper 2016). Zudem belastet er die Umwelt. Also besser darauf verzichten
  • neben der Art der Faser ist auch die Oberflächenstruktur entscheidend: grobe Fasern wie bei Fleece in Jacken oder Decken oder Mikrofasertücher zum Reinigen verlieren wesentlich mehr Fasern als glatte Textilien (Sportbekleidung oder Nylonstrümpfe) (Quarks)
  • kleine Flecken lassen sich gezielt manuell entfernen, statt das ganze Stück zu waschen
  • Einweichen in Natronwasser kann den Schweißgeruch aus Sportkleidung vertreiben und das Stück lässt sich mehrmals tragen
  • Kleidung zum Lüften an die frische Luft hängen, statt direkt in die Wäsche zu geben
  • Der BUND empfiehlt einen extra für die Wäsche entwickelten Waschbeutel, der die feinen Mikrofasern auffängt, sodass sie anschließend im Restmüll entsorgt werden können 
  • Nutze Kleidung so lange es geht und hinterfrage neue Modetrends und Fast-Fashion. Kleidung herzustellen verbraucht viele Ressourcen wie Trinkwasser und es gelangen sehr viele Chemikalien in die Umwelt. Hinzu kommen die oftmals schlechten Arbeitsbedingungen in den herstellenden Ländern (Quarks)
  • Entscheide dich beim nächsten Kauf bewusst für Materialien wie Baumwolle, Viskose oder Leinen, sowohl bei Kleidung als auch bei Wischtüchern. Auch dafür werden viele Chemikalien und Ressourcen wie Wasser und Energie eingesetzt. Es entsteht jedoch kein Mikroplastik
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.