ZEHN - Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen

Einfach effizienter reinigen

Kraft und Geld sparen: Mit dem Sinnerschen Kreis effizienter und nachhaltiger reinigen

Sinnerscher Kreis - © Maren Schulze

Von Wäsche waschen bis Boden wischen – Das Thema Reinigung begegnet uns im Alltag immer wieder. Schon um 1960 entwickelte der Chemiker Herbert Sinner (1900 – 1988) ein wichtiges Grundprinzip, mithilfe dessen sich schweißtreibende Putzaktionen und die „Chemiekeule“ im Haushalt etwas entschärfen lassen. Denn für ein hygienisches Reinigungs-, Wasch- oder Spülergebnis sind vier verschiedene Faktoren verantwortlich: Mechanik, Temperatur, Chemie und Zeit beeinflussen sich gegenseitig und sind voneinander abhängig. Wird einer dieser vier Faktoren verringert, muss ein anderer oder alle drei anderen größer werden. In dem Modell des „Sinnerschen Kreises“ ordnet Sinner die Faktoren in Form von vier gleichgroßen „Tortenstücken“ an. Und das steckt hinter den einzelnen Faktoren:

  • Mechanik: Um Schmutz zu lösen, braucht es Mechanik (Reiben, Kneten, Rubbeln, Scheuern, …). Das wird beispielsweise in der Waschmaschine durch das Drehen der Waschmaschinentrommel übernommen.  Auch die Kraft, die bspw. beim Wischen benötigt wird, gehört zur Mechanik.   
     
  • Temperatur: Grundsätzlich gilt, je höher die Temperatur, desto leichter lösen sich Verschmutzungen. Allerdings lässt sich der Faktor Temperatur nicht unbegrenzt einsetzen. Während beim Abwasch von Hand ein Glas problemlos mit heißem, sogar kochendem Wasser gespült werden kann, ist für die Reinigung eines Kleidungsstücks aus Wolle nur handwarmes Wasser gefragt. Andernfalls würden die Wollfasern verfilzen und das Kleidungsstück einlaufen.  
     
  • Chemie: Durch Temperatur und Mechanik allein lassen sich nicht alle Verschmutzungen lösen. Fette zum Beispiel sind wasserabweisend. Deshalb sind in Wasch und Reinigungsmittel sogenannte Tenside enthalten, die die Oberflächenspannung von Wasser herabsetzen und damit für eine lösende Wirkung von Verschmutzungen beitragen. Nicht nur fertige Reinigungsmittel, sondern auch selbst gemachte Reiniger haben eine chemische Funktion. Die unterschiedlichen Reinigungsmittel müssen auf das zu reinigende Material angepasst sein und korrekt dosiert werden. Das Motto „viel hilft viel“ kann im schlimmsten Fall Beschädigungen anrichten, wie zum Beispiel Löcher im Stoff. Wer Reinigungsmittel sparsam einsetzt schont nicht nur die Umwelt, sondern spart auch Geld. Verschiedene in Reinigungsmitteln enthaltene Stoffe, wie Phosphonate oder optische Aufheller sind laut Umweltbundesamt häufig biologisch schwer oder nicht vollständig abbaubar. Sie können sich in der Umwelt und in Organismen anreichern oder auch Gewässerorganismen schädigen.
     
  • Zeit: Der Faktor Zeit wird häufig unterschätzt, da moderne Reinigungsmittel suggerieren, jeden Fleck allein durch kurzes Behandeln entfernen zu können. Dabei spielt die Einwirkzeit zum Beispiel bei der Reinigung des Badezimmerspiegels oder beim Entfernen des Flecks in der neuen Jeans eine wichtige Rolle. Die Einwirkzeit beträgt oft drei bis fünf Minuten. Bei gekauften Reinigungsmitteln gibt die Verpackung konkretere Hinweise.
     

Wer sich den Sinnerschen Kreis im Haushalt zu Nutze macht, schont nicht nur Umwelt und Portemonnaie, sondern benötigt auch weniger Kraft. So kann´s gehen: 

  • Eco-Programm der Wasch- und Geschirrspülmaschine nutzen: Der Faktor Zeit vergrößert sich, der Faktor Temperatur verkleinert sich. So lassen sich ganz einfach Ressourcen sparen, denn das Erhitzen von Wasser ist maßgeblich für den Stromverbrauch beim Waschen verantwortlich.
  • Flecken entfernen: Viele Arten von Flecken lassen sich schneller mit warmem Wasser lösen als mit kaltem. Mit kaltem Wasser wäre mehr mechanische Arbeit notwendig.
  • Badezimmer reinigen: In vielen Fällen gilt: Je länger ein Reinigungsmittel einwirkt, desto weniger Chemie und Mechanik benötigt es, um zum Beispiel das Waschbecken zu säubern. Intensives Schrubben ist so nicht nötig und statt der „Chemiekeule“ reicht bspw. ein selbstgemachtes Reinigungsmittel auf Basis von Zitronensäure.

Auch in der Industrie findet das Modell von Sinner Anwendung: Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln wenden das Prinzip an, um ihre Produkte weiterzuentwickeln. Viele moderne Reiniger brauchen zum Beispiel kein heißes Wasser mehr, um wirkungsvoll gegen Flecken und Verschmutzungen vorzugehen. Durch die chemische Zusammensetzung und gegebenenfalls eine verlängerte Einwirkzeit wird der Schmutz gelöst. Ein Fleck lässt sich so mit geringem Kraft- und Zeitaufwand entfernen. Daher stets die Packungsanleitung genau lesen.

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