ZEHN - Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen

Ramadan – Zwischen Fasten und Festmahl

Muslime auf der ganzen Welt feiern noch bis zum 12. Mai den Fastenmonat Ramadan. Rund 30 Tage darf tagsüber nicht gegessen und getrunken werden. Erst nach Sonnenuntergang brechen die Gläubigen das Fasten. Doch was heißt das für jede und jeden einzelnen und wie wirkt sich das Fasten auf den Körper aus?

Ramadan - © Maren Schulze

Der Fastenmonat Ramadan begann in diesem Jahr am 13. April und endet am 12. Mai. Für rund 1,6 Milliarden Muslime auf der ganzen Welt bedeutet das: Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang bleibt nicht nur die Küche kalt – es darf überhaupt nicht gegessen werden und auch das Trinken ist untersagt. Erst nach dem Iftar, dem Sonnenuntergang, beginnt das Fastenbrechen. Dann treffen sich die Gläubigen zu einem Festmahl. Während des Ramadans besinnen sich Muslime auf das Wesentliche zurück, Bescheidenheit und Dankbarkeit soll gefördert werden. Viele Muslime helfen im Ramadan auch Bedürftigen. Der Fastenmonat endet mit dem Zuckerfest, das zu den wichtigsten Feiertagen im Islam gehört.

Einmal jährlich „Intervallfasten“
Wer schon einmal Intervallfasten ausprobiert hat, weiß: Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck und trockene Haut sind nur einige Symptome, die auftreten können. Bestimmte Personengruppen wie Schwangere oder Stillende und auch Menschen mit Herz- oder Nierenleiden, Blutdruckpatienten oder Diabetiker sind daher vom Fasten befreit.

Nejla Coskun von der Türkischen Gemeinde in Niedersachsen erklärt, wie sich das Fasten auf den Körper auswirkt: „Wie im Intervallfasten wird etwa 16 Stunden lang nichts gegessen. Zusätzlich trinken wir während des Ramadans in dieser Zeit auch nicht. In den übrigen 8 Stunden essen wir normalerweise zwei Mahlzeiten und kleine Snacks.“ Der Körper gerät tagsüber in einen Hungerzustand. Mit gespeicherter Glukose gleicht der Körper den Blutzucker aus. Wenn die Glukose im sogenannten Glykogenspeicher erschöpft ist, beginnt der Körper, Fettgewebe zu verbrennen. Das heißt, er nutzt Fett als Energiequelle. Wissenschaftler der University of London fanden heraus, dass rund 46 % der Studienteilnehmer*innen innerhalb des Ramadans mehr als ein Kilogramm Körpergewicht abnahmen.

Ausgewogen ernähren im Ramadan
Die Qualität der Ernährung spielt im Ramadan eine wichtige Rolle. „Viele Muslime achten darauf, eine leichte, ausgewogene und gesunde Mahlzeit zu kreieren“, sagt Nejla Coskun. Ein hoher Anteil an Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index, also an Lebensmitteln die den Blutzuckerspiegel nur langsam erhöhen, ist in dieser Zeit besonders wichtig. Mit dem Iftar, dem Sonnenuntergang, starten die meisten Muslime das Festmahl mit einer Suppe, mit frisch gepressten Fruchtsäften oder mit Gemüse, wie Tomaten und Gurken, die einen hohen Wassergehalt haben und den Durst stillen. Es folgen Snacks wie Datteln, getrockneten Aprikosen, Rosinen und Pflaumen um das Hungergefühl zu reduzieren. Dann beginnt das eigentliche Essen mit Vorspeisen wie Joghurt, Gemüse mit Olivenöl, Humus und dem Hauptgericht, das Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte enthält. „Was nie fehlen darf, ist viel grüner Salat mit Zitrone oder Gemüsegerichte. Auch Pita oder Vollkornbrot ist oft Teil der Mahlzeiten“, ergänzt Nejla Coskun. Zum Nachtisch gibt es Baklava, Sommerfrüchte wie schwarze Maulbeeren, Kirschen, Äpfel, Pfirsiche oder milchige Desserts wie Rosenpudding und Milchreis.

Ein Stück Esskultur
Nicht nur im Ramadan sondern jeden Tag im Jahr gehört eine gemeinsame Mahlzeit bei vielen Muslimen dazu und ist Teil der Kultur. Im Fastenmonat treffen sich Familien und Freunde aber noch viel häufiger, um abends beim Fastenbrechen festliche Gerichte, nach traditionellen Rezepten zubereitet, gemeinsam zu sich zu nehmen.

Laut Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ist die „Esskultur ein wichtiger Teil unserer Identität und unseres Gefühls für Heimat und Gruppenzugehörigkeit“, so das BZfE. Besonders an Festtagen spielen Mahlzeiten eine wichtige Rolle: Schon seit Menschengedenken gehört zu einer Feierlichkeit ein besonderes Essen und Rituale dazu. Bei den Christen ist es zum Beispiel die Weihnachtszeit, die mit bestimmten Gewürzen und Leckereien verbunden wird. Auch Teil der christlichen Esskultur ist das Fasten vor der Osterzeit, das am Ostersonntag an einem festlich gedeckten Tisch mit einem leckeren Brunch oder einem Braten endet.

Auch im Ramadan werden das besondere Porzellangeschirr, das Silberbesteck und die schönsten Tischdecken rausgeholt. Die Gastgeberinnen und Gastgeber empfangen alle Gäste herzlich und wer eingeladen ist, bringt immer eine kleine Aufmerksamkeit mit.

Das Leben von Traditionen und kulturellen Besonderheiten machen die Festtage für uns Menschen aus. Im Alltag ist die Esskultur aber immer auch ein Weg, andere Kulturen kennenzulernen. Von der köstlichen Baklava der netten Bäckerin um die Ecke bis zu den koscheren Falafeln. Auch Fleischersatz, der in Deutschland derzeit boomt, hat seinen Ursprung in der buddhistischen Esskultur und wird mit buddhistischen Klöstern in Verbindung gebracht.

Esskultur ist damit nicht nur etwas, das die Menschen einer Kultur miteinander verbindet. Gerichte und Mahlzeiten bringen vielmehr auch Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen.

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