Hinweis

Mindestens haltbar“ ist länger, als man denkt!

Von Talke Gristede

Wer die Wahl hat, hat die Qual – jetzt nicht mehr? Der Nutri-Score kommt - © ZEHN


Kann ich den Joghurt noch genießen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten ist? In Haushalten landen Lebensmittel häufig aus Unsicherheit darüber im Müll.

„Mindestens haltbar bis“ oder „zu verbrauchen bis“ – die beiden Hinweise auf Lebensmittelverpackungen kennt jeder. Der entscheidende Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum ist vielen aber nicht bewusst. Wer sorgfältig differenziert kann Lebensmittel retten und Geld sparen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist im Gegensatz zum Verbrauchsdatum nämlich kein Wegwerfdatum. Das Verbrauchsdatum wird bei leicht verderblichen Produkten wie vorgeschnittenen Salaten, rohem Fisch, und rohem Fleisch mit dem Hinweis „zu verbrauchen bis…“ angegeben. Um hier gesundheitliche Risiken wie z.B. Durchfallerkrankungen zu vermeiden, sollten die Lebensmittel nach Ablauf des Datums entsorgt werden. Krankheitserreger können sich bei diesen Produkten schnell vermehren, ohne dass man Veränderungen sieht oder schmeckt.

Sind Lebensmittel dagegen mit einem MHD, also dem Hinweis „mindestens haltbar bis“ versehen, können sie noch Tage, Wochen oder sogar Monate nach Ablauf haltbar und genießbar sein. Das MHD gibt dem Verbraucher eine erste Orientierung zum Zustand der Produkte. In geschlossener Originalverpackung und bei optimaler Lagerung garantiert der Hersteller, dass die Lebensmittel ihre typischen Eigenschaften in Geschmack, Geruch und Nährstoffgehalt mindestens bis zu diesem Datum behalten. Häufig sind Lebensmittel darüber hinaus noch bedenkenlos essbar.

Unsere Empfehlung: Das abgelaufene Produkt genau anschauen und den eigenen Sinnen vertrauen! Sehen, riechen oder auch einfach probieren ob etwas noch genießbar ist, ist hier die Devise. Ist die Verpackung gewölbt? Riecht oder schmeckt ein Produkt säuerlich, bitter oder ranzig? Haben sich Farbe oder Konsistenz verändert? Ist z.B. nach dem Öffnen des Sahnebechers eine deutliche Verfärbung an der Oberfläche zu erkennen, ist das ein eindeutiger Hinweis, dass das Lebensmittel verdorben ist. Weitere nützliche Tipps und bei welchen Veränderungen Produkte entsorgt werden müssen enthält ein Flyer der Tafel Deutschland.

Je nach Produktgruppe sind Lebensmittel unterschiedlich lange haltbar: Trockener Reis oder Nudeln sowie Konserven lassen sich bis zu einem Jahr nach Ablauf des MHD noch gefahrenlos verzehren. Gefrorenes Obst oder Gemüse können weitere sechs Monate, Cerealien zwei Monate und Butter sowie Eier bis zu drei Wochen nach Ablauf des MHD genießbar bleiben. Bei Wurstwaren sollte das MHD hingegen nur wenige Tage überschritten werden. Eine ausführliche Übersicht mit vielen, weiteren Beispielen bietet ein Plakat der Tafel rund um die Haltbarkeit von Lebensmitteln.

Ist das MHD abgelaufen, darf der Handel die Lebensmittel laut Lebensmittelgesetzbuch sogar ganz offiziell noch verkaufen. Allerdings ist der Händler dann für die Sicherheit und Qualität des Lebensmittels verantwortlich und muss sich davon überzeugen, dass die Ware noch einwandfrei ist. Für den weiteren Verkauf ist er verpflichtet, den Kunden deutlich auf die Überschreitung des MHD hinzuweisen. Im Lebensmittelhandel sind diese Produkte oft preisreduziert und finden sich in einem extra gekennzeichnetem Regal. Dabei ist der Händler rein rechtlich nicht dazu verpflichtet, die abgelaufenen Lebensmittel günstiger abzugeben. Häufig ist das aber der Fall, weil die Produkte im Handel schnell abverkauft werden sollen. Wer im Supermarkt einen reduzierten Joghurt ergattert, spart nicht nur Geld, sondern rettet das Lebensmittel auch vor der Tonne.
Im Gegensatz zu Lebensmitteln, bei denen das MHD abgelaufen ist, dürfen Händler die leicht verderblichen Lebensmittel mit abgelaufen Verbrauchsdatum keineswegs weiterverkaufen.

In Deutschland landen jährlich zu viele Lebensmittel im Müll, die noch gut verzehrt werden könnten. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Um dem entgegenzuwirken ist es wichtig im Kleinen - das heißt erst einmal bei sich selbst - anzufangen. Welchen Beitrag kann ich leisten? Ein vorrausschauender Plan für den Einkauf ,richtige Lagerung und ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln -auch mit dem MHD- können schon dazu beitragen, dass weniger weggeschmissen wird.


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