ZEHN - Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen

Die planetaren Grenzen sind überschritten – das kann jede*r einzelne tun

Unsere Erde ist in vielerlei Hinsicht enormem Stress ausgesetzt. Eine der Ursachen ist der Eingriff der Menschen in die Natur. Dabei hat auch unser Ernährungssystem entlang der Wertschöpfungskette einen großen Einfluss.

Planetare Ernährung - © Maren Schulze

von Leonie Wigger

Mit dem Konzept der planetaren Belastungsgrenzen traf ein Kreis von etwa 30 internationalen Wissenschaftler*innen Aussagen über die Erdgesundheit und die Lebensgrundlagen der Menschheit. Das Konzept definiert neun ökologische Grenzen der Erde, die für die Stabilität des Ökosystems und die Lebensgrundlage des Menschen nötig sind:

1. Verlust der Artenvielfalt

2. Klimawandel

3. Stickstoff- und Phosphoreintrag

4. Abbau der Ozonschicht

5. Abholzung und Änderung der Landnutzung

6. Ozeanversauerung

7. Süßwassernutzung

8. Belastung der Atmosphäre mit Aerosolen

9. Freisetzung von neuartigen Stoffen.

Eine übersichtliche Grafik dazu findet sich auf der Website des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Bei einer Überschreitung dieser Grenzen kommt es laut dem Konzept zu massiven Erdveränderungen, die zu unvorhersehbaren, neuen Lebensbedingungen führen würden. Vier der neun definierten Grenzen sind jetzt schon überschritten und zwar in den Bereichen Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Entwaldung sowie Stickstoff- und Phosphoreintrag. Auch das Ausmaß der Süßwassernutzung ist in einigen Regionen kritisch.

Zurückführen lässt sich diese Entwicklung auf die Rodung von Wäldern, dem damit verbundenen Verlust von Tier- und Pflanzenarten, der Übernutzung von Süßwasservorräten und auch auf die Verschmutzung von Luft, Böden, Land und Gewässern. Viele dieser Eingriffe in die Natur nehmen wir vor, um Nahrungsmittel zu produzieren. Jede und jeder von uns muss essen und trinken. Dafür benötigen wir große Flächen für die Land- und Viehwirtschaft, wir entnehmen Wasser für unsere Nahrungsproduktion und das wirkt sich auf unseren Planeten aus (vgl. Prof. Dr. Gerten 2020). Eine neue Studie macht auf genau diese Herausforderungen in der Nahrungsmittelproduktion aufmerksam.

True Costs – Was heißt das eigentlich?

Sogenannte "True Costs" (dt. „wahre Kosten“) verdeutlichen die ökologischen Auswirkungen entlang der Lieferkette. Diese bezeichnen den Preis, den Lebensmittel unter Berücksichtigung der Umwelt- und sozialen Folgekosten hätten. Diese Kosten müssten wir Verbraucher*innen beim Einkauf eigentlich bezahlen. Indirekt trägt sie die gesamte Gesellschaft, z.B. in Form des Klimawandels. Aktuellste Untersuchungen zu den „True Costs“ (September 2020) stammen von dem Discounter Penny und der Universität Augsburg:
Die Universität Augsburg analysierte die Auswirkungen von Stickstoff, Klimagasen, Energie und der veränderten Nutzung von Flächen, z.B. durch Versiegelung. Beispielhaft wurden dabei die Produkte Apfel, Banane, Kartoffel, Tomate, Mozzarella, Gouda, Milch und gemischtes Hackfleisch aus konventioneller und ökologischer Produktion betrachtet. Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Preise für konventionell erzeugte Lebensmittel im Durchschnitt um 62% und für ökologisch erzeugte Lebensmittel um 35% steigen müssten, damit die Umwelt- und sozialen Folgekosten gedeckt werden könnten.

Besonders Lebensmittel tierischen Ursprungs zeigen einen deutlichen Preisunterschied zwischen den tatsächlichen Preisen im Supermarkt und den „True Costs“. Bei diesem Preisunterschied spricht man von einer „Fehlbepreisung“ (engl. mispricing). Eigentlich müssten konventionell erzeugte Fleisch- und Wurstprodukte dreimal so teuer sein. Darauf folgten dann die konventionell erzeugten Milchprodukte. Die niedrigsten Aufschläge würden für ökologisch hergestellte Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs anfallen.
Konkret würde das bei einem Preis von 1,95 €/100g Käse aus konventioneller Herstellung einen Preis von 3,82 €/100g bedeuten.

Systemwechsel wichtig für Planeten und Gesellschaft

Mit der Auswahl unserer Nahrungsmittel kann jede und jeder von uns einen Beitrag leisten und den Planeten Erde nachhaltig schützen. Die Eat Lancet Kommission liefert eine wissenschaftliche Basis für diesen Ernährungswandel. Dabei spielt eine pflanzenbetonte Ernährung eine wichtige Rolle. Eine Ernährung auf Basis von Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und der bewusste Verzehr tierischer Produkte ist nicht nur gut für den Planeten, sondern gilt auch als gesundheitsfördernd. Auch die Lebensmittelverschwendung spielt dabei eine wichtige Rolle.

Mit diesen vier Tipps zeigen wir auf, wie sich eine ökologisch verträglichere Ernährung gestalten lässt:

  1. Lebensmittelverschwendung im Haushalt auf ein Minimum reduzieren
    Auch aus vermeidlichen Abfällen wie dem Karottengrün oder den Blättern der Radieschen lässt sich ein leckeres Pesto oder tolle Salate zaubern. Mehr dazu auch in unserem Artikel „Vom Blatt bis zur Wurzel“
  2. Fleisch, Fisch und Milchprodukte bewusst konsumieren
    Der Konsum von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreideprodukten ist ökologisch verträglicher. Außerdem sind Apfel, Linsen und Co. auch reich an Vitaminen und Mineralstoffen
  3. Regional und saisonal essen
    Regionalität und Saisonalität spielen eine große Rolle. So müssen Produkte keine langen Wege mit Schiff, dem LKW oder dem Flugzeug zurücklegen
  4. Auf den Verarbeitungsgrad der Lebensmittel achten
    Denn ein hoher Verarbeitungsgrad geht meist mit einem hohen Energieverbrauch und Schadstoffausstoß einher. Gleichzeitig sind unverarbeitete Lebensmittel viel gesünder, da verarbeitete Lebensmittel viel Zucker und minderwertige Fette enthalten können

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