ZEHN - Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen

Im bundesweiten Einsatz für die Hauswirtschaft – der Deutsche Hauswirtschaftsrat

Seit 2016 gibt es den Deutschen Hauswirtschaftsrat. Im Mai 2022 organisiert der Verbund den zweiten Deutschen Hauswirtschaftskongress. Wofür sich der Rat einsetzt und warum der Kongress etwas Besonderes wird, erklärt die Präsidentin Sigried Boldajipour.

Sigried Boldajipour Collage - © Sigried Boldajipour (Collage)

Frau Boldajipour, was steckt hinter dem Deutschen Hauswirtschaftsrat, was machen Sie konkret?

Der Deutsche Hauswirtschaftsrat ist ein Sprachrohr für die Hauswirtschaft auf Bundesebene.

Wir sind ein riesiges Netzwerk aus Menschen mit unterschiedlichen hauswirtschaftlichen Hintergründen. Wir begleiten einerseits die wissenschaftliche Arbeit rund um unsere Branche und bringen sie in unseren Gremien mit der Praxis zusammen. Auf der anderen Seite arbeiten wir mit der Bundesregierung zusammen und tragen Belange der Hauswirtschaft in die Politik und in die Gesellschaft.

 

Und was heißt das in der Praxis? Haben Sie ein Beispiel für Ihre Arbeit?

Die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen ist derzeit so hoch wie nie. Aber: In diesem Bereich mangelt es an Mitarbeiter*innen, es gibt Probleme mit der Qualifizierung und der Bezahlung.

Und genau dort setzen wir als Hauswirtschaftsrat an: Das Projekt PQHD an der Hochschule Fulda beschäftigt sich mit dem Thema „Haushaltsnahe Dienstleistungen“. Dort unterstützen wir und bringen Praxiswissen ein. Gleichzeitig wenden wir uns aber auch an Politiker*innen, in diesem Fall an das Bundesfamilienministerium, damit die Finanzierung für das PQHD weitergeführt wird.

 

War Ihre Fachexpertise in der Pandemie besonders gefragt?

Als die Pandemie begann, war das Thema Hygiene ganz aktuell. Da sind Bundesministerien direkt an uns herangetreten und wir haben Hygienekonzepte erarbeitet. Die sind später auf der Seite des Bundesministeriums erschienen.

 

In diesem Jahr findet der deutsche Hauswirtschaftskongress hier in Niedersachsen statt. Das Motto lautet: Hauswirtschaft: relevant. nachhaltig. sicher. Warum haben Sie dieses Motto gewählt, was steckt dahinter?

Der zweite deutsche Hauswirtschaftskongress im Mai knüpft an die Themen des ersten Kongresses im Jahr 2019 an. Der stand unter dem großen Thema Nachhaltigkeit. Viele Ideen, die dort entstanden sind, haben wir seitdem im Hauswirtschaftsrat weiterentwickelt und ausgewertet. Die Nachhaltigkeit ist in der Hauswirtschaft immer ein Thema. Deshalb haben wir sie auch in diesem Jahr aufgegriffen.

Dass Hauswirtschaft „relevant“ ist, hat nicht nur die Pandemie gezeigt, daher der zweite Begriff.

Der dritte Begriff „sicher“ steht für Zuverlässigkeit, aber auch für die Personenorientierung: Hauswirtschaft steht immer in einem Zusammenhang mit Menschen, die in ihrem Alltag sicher leben möchten und versorgt werden sollen. Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen wie z.B. Gesetze, die das zu akzeptablen Bedingungen ermöglichen.

Ich finde, diese drei Adjektive zeigen gut, in welchem Bereich sich Hauswirtschaft in 2022 bewegt. Und natürlich gibt der Titel auch die Richtung für die Themen, mit denen wir uns auf dem Kongress gemeinsam beschäftigen.

Uns ist wichtig, dass wir damit den Fokus auf die Zukunft lenken und zeigen: Wir können das, wir haben die Expertinnen und Experten.

 

Was können die Teilnehmer*innen über die Fachvorträge und Diskussionen hinaus vom Kongress erwarten?

Spannende Kontakte außerhalb der eigenen Filterblase! Ein Punkt der uns besonders wichtig ist: Zum Kongress sind auch Politiker*innen und Menschen aus Schnittstellen anderer Professionen eingeladen, die mit der Hauswirtschaft zusammenarbeiten. Zum Beispiel Pflege, Soziale Arbeit oder Erziehung. Hauswirtschaft arbeitet nie alleine, genau diese Vertreter*innen sind dabei, damit wir gemeinsam diskutieren können. Und das finde ich total spannend.

 

Welchen Tipp haben Sie für Hauswirtschafter*innen, wenn es darum geht, sich selbst zukunftsfähig aufzustellen?

Da habe ich zwei Tipps Fortbilden und vernetzen. Eine Fortbildung muss nicht unbedingt zu einem Berufsabschluss führen Und wer daran teilnimmt, bekommt auch die Chance, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Ich empfehle vor allem den jungen Kolleg*innen, Mitglied in den Berufsverbänden zu werden. Dort kann jede*r Fachkolleg*innen in Seminaren treffen und in den Erfahrungsaustausch gehen.

Das kostet Zeit, aber das macht auch richtig Spaß. Wenn ich merke, dass ich (auch fachlich) auf der Höhe der Zeit bin, ist das eine gute Voraussetzung auf der Karriereleiter aufzusteigen.

 

Mögen Sie noch etwas zu Ihrem persönlichen Werdegang sagen?

Ich bin Hauswirtschaftsleiterin und habe nach der Ausbildung Haushaltswissenschaften studiert, bin also Ökotrophologin.

Nach dem Diplom habe ich an einer Fachschule Hauswirtschaftliche Betriebsleiterinnen ausgebildet, dann auch 10 Jahre an einer Berufsschule gearbeitet. Vor 15 Jahren habe ich noch einen Masterstudiengang im Bereich Schulmanagement abgeschlossen.

Zuletzt habe ich die Fachschule für Hauswirtschaft in Bremen geleitet und war anschließend als Referentin bei der Senatorin für Bildung in Bremen tätig. So habe ich den Bereich Hauswirtschaft auch von der ministeriellen Seite kennengelernt.

Ich bin Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Hauswirtschaft. Dort war ich Vorsitzende des Fachausschusses Bildung bevor ich in den Vorstand gewählt wurde. Nach meiner Zeit im Vorstand hat sich der Deutsche Hauswirtschaftsrat gegründet. Dort war ich zuerst Sprecherin der Sektion Bildung und jetzt bin ich Präsidentin. Ein echt toller Job!

 

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